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Freitag, 1. Juni 2012

Actuosa participatio bedeutet nicht Aktionismus ohne Sinn und Verstand


Offenbar kam dieser Tage in der katholischen Bloggerszene wieder einmal eine Diskussion über den Begriff der "tätigen Teilnahme" (lat. actuosa participatio) auf, der angeblich vom II. Vatikanischen Konzil geprägt wurde (so lernt man es heute noch mancherorts im Theologie- oder Kirchenmusikstudium), aber in Wirklichkeit vom Hl. Papst Pius X. in seinem bemerkenswerten Motu Propio TRA LE SOLLECITUDINI über die katholische Kirchenmusik stammt, aus welcher die Liturgiekonstitution "Sacrosanctum Concilium" über weite Strecken fast wörtlich zitiert (anscheinend allerdings in ebenfalls weiten Teilen unter Ignorierung der wichtigsten Akzente der Vorgängerschreibens; das wird noch einen eigenen Beitrag wert sein).

Abgesehen von den bereits vor vielen Jahren von mir in die Runde geworfenen und HIER ARCHIVIERTEN BEITRÄGEN findet man HIER auf "SICUT INCENSUM" einen schönen Beitrag zu diesem Thema, der hiermit zur Lektüre empfohlen sei.
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Bildquelle: Kath. Gemeinde St. Marien, Delmenhorst; ST-MARIEN-ONLINE.DE

Montag, 20. Dezember 2010

Kirchenkrise? Kirchenkrise!

Im Erzbistum München und Freising hat eine "Dialogkommission" getagt, und es bewahrheitet sich einmal mehr, dass kirchliche Gremien immer dann Beschlüsse veröffentlichen, wenn man gerade dachte, es könne nicht mehr schlimmer werden.

Hier nun einige Zitate, entnommen der Homepage des Münchner Kirchenradios, unkommentiert. Es gibt Dinge, die auch dann nicht besser werden, wenn man etwas dazu sagen würde...

Die 126 Mitglieder des Zukunftsforums im Erzbistum München und Freising haben Kardinal Reinhard Marx ihre Empfehlungen für eine zeitgemäße Seelsorge überreicht. Die Vorschläge wurden von zwölf Arbeitsgruppen erstellt. Sie reichen von einer ansprechenden Liturgie bis hin zur Sexualmoral, einer stärkeren Einbindung der Frauen in der Kirche oder einer besseren Ausbildung für Ehrenamtliche.
oder
Wir sind in der Welt angekommen und akzeptieren, was Menschen denken und von der Kirche erwarten“, sagte ein anderer Teilnehmer.
oder
Der Erzbischof kündigte zugleich an, in der gesamten Diözese auf regionaler Ebene Gespräche führen zu wollen. "Was will der Herr in dieser Stunde von uns? Gesprächsforen sind ein erster Punkt."

Samstag, 18. Dezember 2010

Wenn die Reformer plötzlich konservativ wirken

Roland Breitenbach, weithin bekannter Geistlicher aus Schweinfurt, hat uns mit einer seiner literarischen Höchstleistungen beglückt:
Wenn die Kirche
so weiter macht wie bisher,
kommt sie an jenen Punkt,
an dem sie schon
vorgestern war.
Wie recht der Mann hat, sieht man, wenn man ein Zitat von Papst Benedikt XVI. danebenstellt:
[Die Kirche] ist aber auch in dem Sinne jung, daß ihr Glaube sozusagen aus dem frischen Quell Gottes selber kommt, von daher also, wo das wirklich Neue und Erneuernde da ist. Das ist nicht eine abgestandene Kost, die wir seit 2000 Jahren haben und die immer wieder aufgekocht wird, sondern Gott selbst ist der Quell aller Jugend und allen Lebens.

Und wenn der Glaube eben eine Gabe ist, die von ihm her kommt sozusagen das frische Wasser, das uns immer wieder gegeben wird, mit dem wir dann leben können und das wir sozusagen als Kraft in die Wege der Welt einspeisen dürfen - dann ist eben Kirche eine verjüngende Kraft.

Es gibt einen Kirchenvater, der einmal die Kirche gesehen hat und dabei das Sonderbare sah, daß sie im Lauf der Jahre nicht älter, sondern immer jünger wird, weil sie immer mehr dem Herrn entgegengeht, das heißt immer mehr der Quelle entgegen, von der Jungsein, von der Neuheit, Erfrischung, die frische Kraft des Lebens kommt.
Es ist tragisch, wenn die abgestandenen Parolen einer gestrigen Modernität heute plötzlich unmodern wirken. Ein beredtes Beispiel dafür, warum sich die Kirche vor der Anbiederung an den Zeitgeist hüten sollte, wie der Teufel vorm Weihwasser. Oder, wie es der Münchener Erzbischof Kardinal Reinhard Marx einmal formulierte:
Wer den Zeitgeist heiratet, ist morgen schon Witwer.

Donnerstag, 25. März 2010

Oosterhuis-Lieder verboten

Zwei niederländische Diözesen haben einige Lieder von Huub Oosterhuis verboten. Das berichtete KATHNEWS vor Kurzem. Nun muss man dieses Verbot - wie jede Maßnahme dieser Art - differenziert sehen: natürlich gibt es auch von Huub Oosterhuis gelungene und sehr schöne Lieder. Jedoch sind etliche darunter, in denen Gott nicht vorkommt oder die eine banale Antropozentrik verkünden, die zum Charakter der Meßfeier nicht passen. Verständlich ist das auf Oosterhuis' persönlichem Hintergrund. Ich zitiere aus dem entsprechenden WIKIPEDIA-ARTIKEL:
Oosterhuis war Jesuit, katholischer Priester und Studentenpfarrer in Amsterdam. Sein umfangreiches dichterisches Werk und seine Beiträge zur Erneuerung von Liturgie und Gemeindegesang fanden seit 1967 auch in deutschen Übersetzungen weite Verbreitung. Seit 1969 wandte er sich der reformierten Kirche zu, weshalb die Verwendung seiner Lieder in der katholischen Kirche der Niederlande nicht unumstritten ist.
Oosterhuis spielte in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle in der Entfaltung der „freien Liturgie“-Praxis, die mitunter Bibellesungen durch in liturgischen Arbeitsgruppen erarbeitete Deutungsgeschichten ersetzte, und wo die Eucharistiefeier nicht mehr als Sakrament verstanden wurde. In der Formulierung von Gebetstexten wurden ganz neue Zugänge gewagt, so z. B. in Oosterhuis′ eucharistischem Gebet für Agnostiker: „Herr, wenn Du existierst, so komme dann in unsere Mitte“ (niederl.: „Heer, als U bestaat, kom dan onder ons“).
Oosterhuis scheint mir, nach den sehr gelungenen Werken seiner Frühzeit, ein geradezu lehrbuchmäßiger Fall der nachkonziliaren Glaubensentleerung zu sein. Daher ist sein Werk keinesfalls zu verdammen, aber doch mit Vorsicht zu genießen. Ich würde mir wünschen, dass diese Vorsicht auch an Orten einzieht, die - mit bischöflichem Einverständnis - immer noch sehr unkritisch auch mit den bedenklichen Werken Oosterhuis' umgehen, wie die KLEINE KIRCHE in Osnabrück.

Samstag, 20. Februar 2010

Fastenzeit 2009

Es ist eigentlich selbstverständlich, dass es in der Fastenzeit kein Gloria und kein Halleluja gibt. Dennoch sei hiermit noch einmal darauf hingewiesen. Im letzten Jahr erhielt ich von meinem Kaplan(!) folgenden Liedplan für einen Schulgottesdienst in der ersten Fastenwoche (am Werktag!):


Zum Einzug:

Wir sind hier zusammen in Jesu Namen...
Kyrie:
gesprochen
Gloria:
Gloria, Ehre sei Gott...
1. Antwortgesang:
Gehet nicht auf in den Sorgen dieser Welt, halleluja, halleluja...
Halleluja:
Singt Halleluja unserm Herrn
Gabenlied:
Ein bunter Regenbogen
Sanctus:
Ubi caritas (Taizé)
Agnus Dei:
Herr, wir bringen in Brot und Wein
Danklied:
Lobe den Herren

Tja. Gut, dass dieser Kelch in diesem Jahr an mir vorübergeht...

Mittwoch, 17. Februar 2010

Ash Wednesday in Brompton Oratory

Gerade in London, habe ich gestern Abend sehr die Feier des Aschermittwochs im berühmten Brompton Oratory genossen: Novus Ordo Missae vom Feinsten!

Auch musikalisch war die Feier mehr als beeindruckend:
Gradual & Tract Schultes.
Miserere mei Allegri.
In ieiunio et fletu Tallis.
Sanctus & Agnus: for four voices
Byrd.
Emendemus in melius
A. Gabrieli.
Am Morgen war ich zu den gesungenen Mattins in der anglikanischen Bischofskirche St. Paul's Cathedral, auch das ein Genuß für alle Sinne!

In solchen Momenten überkommt mich die Wehmut, wenn mir bewusst wird, wie sehr die Liturgie nach dem Konzil gegen die ausdrücklichen Konzilstexte verstümmelt wurde und was den Gläubigen an wahrer Schönheit und Erbauung vorenthalten wird.

Samstag, 14. November 2009

Kirchenmusikalischer Masochismus

In den Weiten des Internets fielen mir gerade zwei interessante Dinge auf. Zum einen dieses Video:



Nacktes Grauen spricht für sich, und muss nicht weiter kommentiert werden. In einer Mailingliste stieß ich soeben auf Folgendes:
Eine Pfarrerin, mit der ich sowieso kein einfachen Verhältnis habe, hat mir ihre Wunschliste für den GoDi am Sonntag mitgeteilt (es ist ein "etwas anderer Gottesdienst" für Jugendliche usw):
"We are the Champions, The Winner takes it all, Baby Elefant walk, oder so ähnliches aus der U-Musik (Zum Beispiel auch die Einzugsmusik der Boxchampions)

Grundsätzlich kann man sagen, dass sich folgende Musik eignet:

eher im Bereich der U-Musik
Jazz-Standards
Latin: Tango, Samba, Salsa

Nun habe ich ein riesen Problem, weil es erstens schon zu spät ist, ich zweitens nie diese Art Musik gespielt habe und drittens keine Noten habe.
Könnte mir bitte jemand mit Noten von den o.g. Liedern oder überhaupt etwas passendem helfen? Ein Tango hätte ich, aber sonst - sie will ja 4 bis 6 Stücke im Gottesdienst haben...

Vielen Dank und viele Grüsse,
...
Dazu passend kann ich nur eine der zahlreichen Antworten zitieren:
Es fiele mir im Traum nicht ein, so etwas im Gottesdienst zu spielen. Noch dazu, wenn das so kurzfristig kommt. Ich nehme ja mal an, die Pfarrerin hat schon länger an der Vorbereitung des GD gearbeitet. Wieso kommt sie dann 48 Stunden vorher mit solchen Extrawünschen?

Soll sie doch selber spielen - oder gleich eine CD einlegen. Empfiehlt sich auch für die Predigt. Da kann man dann sogar auf die Pfarrerin verzichten...

Ich staune immer wieder, was manche Leute bereitwillig über sich ergehen lassen, obwohl sie nur ehrenamtlich Orgel spielen. Mir wäre das den Ärger nicht wert.

Vielerorts sucht auch der Pfarrer der Nachbargemeinde einen Organisten...
Es gibt offenbar immer noch Gemeinden, bei denen die Qualen der Selbstfolter nicht die naheliegendste Reaktion auslösen: mit dem Mist einfach aufzuhören. Glaubt denn wirklich jemand, Organisten, die unvorbereitet, widerwillig und überfordert "Tango, Samba, Salza" zusammenstoppeln würden Jugendliche begeistern? Abgesehen davon, dass ich schwere Zweifel habe, dass man den gemeinen Feld-, Wald- und Wiesenjugendlichen mit Samba beeindrucken kann, auch, wenn er gut gespielt ist.

Prinzipiell vertrete ich die Meinung, dass jeder das Recht hat, sich so gut zu blamieren, wie er eben kann. Aber eine Seele ist so noch nicht gerettet worden. Im Normalfall wird es nicht einmal dazu reichen, dass nämliche Seele sich eingeladen fühlt, am nächsten Sonntag wiederzukommen.

Oft genug war schon die erste Begegnung mit so gut gemeinten "niederschwelligen" Angeboten auch der letzte Kontakt zur Kirche.

Donnerstag, 12. November 2009

Dauerbrenner liturgischer Tanz

Nicht auszurotten ist die Diskussion um den Tanz im Gottesdienst, die leider durch die andauernden liturgischen Missbräuche im Pontifikat Johannes Pauls II. stetigen Auftrieb erfahren haben. 1975 gab die römische Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ein Dokument unter dem Titel "Liturgischer Tanz" heraus, in dem sie klarstellte:
Tanz kann in keiner Form zum Bestandteil liturgischer Feiern gemacht werden. Damit würde ein extrem unheiliges und entheiligendes Element in die Liturgie eingeführt, und das würde eine profane Atmosphäre schaffen, die alle Teilnehmer und Anwesenden an weltliche Orte und Situationen erinnern müsste.
Im Jahr 1998 forderte die gleiche Kongregation den Bischof von Honolulu auf, Hula-Tänze in liturgischen Zusammenhängen zu verbieten, die auf Hawaii längst in die Liturgie eingedrungen waren. Doch als Johannes Paul 1995 zur Seligsprechung von Pater Damien DeVeuster, des Berühmten Heiligen der Leprakranken von Hawaii, nach Brüssel reiste, wurde an zentraler Stelle der Zeremonie ein Hula-Tanz aufgeführt.

Im Jahr 2002 weilte Johannes Paul II. in Mexiko zur Seligsprechung zweier Märtyrer aus dem Maya-Volk. Bei dieser Gelegenheit intergrierte der päpstliche Zeremoniar Erzbischof Piero Marini diverse Tänze in die Liturgie. Zum Abschluss wurde eine Art Reinigungszeremonie names "Limpia" durchgeführt, bei der die Tänzerinnen mit Weihrauchschalen auftraten und den Papst sowie weitere anwesende Kardinäle und Bischöfe mit Kräutern bestreuten. Dieses Ritual dient der Heilung physischer und psychischer Krankheiten durch Austreibung böser Geister. Genau genommen wurde der Papst also vor den Augen der Öffentlichkeit in einem heidnischen Ritual exorziert. Verständlicherweise gab es hinterher scharfen Protest sowohl aus mexikanischen als auch vatikanischen Kreisen. Erzbischof Marini sah freilich keinen Grund, seine fragwürdige Inkulturationspolitik zu ändern.

Die Übernahme fremder Elemente in die Liturgie der Kirche hat zwar eine Tradition, die bis in die Urkirche zurückreicht. Allerdings wurde hier immer vorsichtig und mit Augenmaß vorgegangen. Die knappen Beispiele oben zeigen, dass man im Umgang mit fremden Riten gar nicht vorsichtig genug sein kann.

Kommen wir nun zum Tanz in der Liturgie, besonders in der Heiligen Messe. Diese Frage war ein ständiger Streitpunkt zwischen Johannes Paul II. und dem damaligen Glaubenspräfekten Joseph Kardinal Ratzinger, wie dieser offen eingestand. Ratzinger schrieb in seinem Buch "Der Geist der Liturgie" über den Tanz folgendes:
Der Tanz ist keine Ausdrucksform christlicher Liturgie. Gnostisch-doketische Kreise haben ihn etwa im 3. Jahrhundert in die Liturgie einzuführen versucht. Für sie war die Kreuzigung nur Schein: Christus hatten den von ihm nie wirklich angenommenen Leib vor der Passion verlassen, und so konnte an die Stelle der Kreuzesliturgie der Tanz treten, weil ja das Kreuz nur Schein gewesen war. Die kultischen Tänze der verschiedenen Religionen haben unterschiedliche Richtungen - Beschwörungen, Analogiezauber, mystische Ekstase -; keine dieser Gestalten entspricht der inneren Richtung der Liturgie des "worthaften" Opfers.

Vollkommen widersinnig ist es, wenn bei dem Versuch, die Liturgie "attraktiv" zu gestalten, Tanzpantomimen - womöglich von professionellen Tanzgruppen - eingelegt werden, die dann häufig (von ihrer Anlage her zurecht) in Beifall münden.

Wo immer Beifall für menschliches Machen in der Liturgie aufbricht, ist dies ein sicheres Zeichen, dass man das Wesen der Liturgie gänzlich verloren und sie durch eine Art religiös gemeinter Unterhaltung ersetzt hat. Solche Attraktivität hält nicht lange; auf dem Markt der Freizeitangebote, der zunehmend Formen des Religiösen als Kitzel einbezieht, ist die Konkurrenz nicht zu bestehen.

Ich habe erlebt, wie man den Bußakt durch eine Tanzdarstellung ersetzte, die selbstverständlich großen Beifall fand; könnte man sich von dem, was Buße wirklich ist, weiter entfernen? Liturgie kann nur dann Menschen anziehen, wenn sie nicht auf sich selber schaut, sondern auf Gott; wenn sie ihn eintreten und handeln lässt.
Dania Marco schreibt in dem Buch "La danza sacra nella chiesa" (Rom, 2000) über die Ausbreitung des liturgischen Tanzes gerade aus pfingstlerischen, protestantischen Kreisen in die Liturgie der katholischen Kirche (ich übernehme eine Übersetzung Heinz-Lothar Barths):
Diese Erfahrungen bringen jedoch das Risiko mit sich, die sakramentale Dimension des Glaubens aus dem Blick zu verlieren, lassen einen gewissen Narzismus erkennen und sind die Frucht eines solipsistischen (auf sich selbst fixierten) Verhaltens.
Obwohl die Ablehnung des Tanzes in der Liturgie durch die Kirche klar ist, und die Gefährlichkeit des unreflektierten und eigenmächtigen Einfügens fremder Elemente in die Liturgie nachgewiesen ist, bieten zahlreiche katholische Bildungshäuser und andere Kursanbieter nach wie vor Ausbildungen für liturgischen Tanz an. Übrigens verdreht auch Dania Marco die Quellen nach belieben oder ignoriert vorangeganene kirchliche Verurteilungen. Ihr Buch ist leider ein typischer Spiegel der nachkonziliaren Tendenz, alles, was vor dem II. Vatikanischen Konzil war als überholt zu sehen und einschlägige Dokumente einfach zu ignorieren.

Interessant ist nun eine Beobachtung des Zielpublikums, sowie derer, die in den Gemeinden liturgischen Tanz einführen wollen. Die notorisch unkirchlich agierende Katholische Frauengemeinschaft (KFD) erwähne ich in diesem Zusammenhang gar nicht erst. Wer von jeglichen "modernen" Anwandlungen in Schocktherapie geheilt werden möchte, besuche einmal den Gottesdienst zum "Weltgebetstag der Frauen". Alberner kann öffentliches "Gruppenkuscheln" kaum noch ausfallen...

Durch eigene Beobachtung und zahlreiche Gespräche mit Kollegen aus Kirchenmusik und Theologie ergibt sich für mich das Bild, dass der Wunsch nach stärkerem körperlichen Ausdruck in der Messe aus immer der gleichen Richtung kommt: Feministische Strömungen, Esoterik sowie der umsichgreifende Kult um fernöstliche Religionen wie Buddhismus, Hinduismus und Yoga. Gerade letzteres, oft als Gymnastik verkannt, kann sehr gefährlich sein, denn das dahinterstehende Welt- und Menschenbild ist mit dem katholischen Glauben absolut nicht vereinbar. Zu dieser unterschätzten Gefahr wäre manches zu sagen, was allerdings nicht zur Thematik dieses Blogs gehört.

Ein Blick ins Internet gibt Interessantes preis. Auf der Homepage der "Christlichen AG Tanz e. V." findet man als Tagesimpuls:
Ich verlange vom Tanz – mehr als von allen anderen Künsten – dass er das Göttliche im Menschen enthülle.
Das Zitat stammt von Murshida Kamae A. Miller, einer schottischen Vertreterin des Sufismus. In einer Kursbeschreibung des Hauses Klara Oberzell heißt es:
"Liturgischer Tanz" - dieser Begriff meint vor allem Tanz auf NEUE GEISTLICHE LIEDER. Er hat jedoch seinen Platz nicht nur im liturgischen Zusammenhang, sondern überall da, wo es Menschen ein Bedürfnis ist, ihre Lebenssituationen und Glaubensvorstellungen mit der Sprache ihres ganzen Körpers zum Ausdruck zu bringen.
Es könnten noch deutlich mehr Quellen angebracht werden, aber schon in diesen zwei Zitaten findet man das Kreisen des Menschen um sich selbst deutlich bestätigt. Im letzten Zitat wird ja gar nicht erst behauptet, dass es darum gehe, den Glauben der Kirche ("ganzheitlich" - um ein modernes Schlagwort zu gebrauchen) erlebbar zu machen, sondern es geht um das körperliche Ausleben eigener, subjektiver Glaubensvorstellungen.

Gerne wird aus diesen Kreisen der Einwand gebracht, auch die Bibel kenne sakralen Tanz. König David sei vor der Bundeslade getanzt. Wir sollten die entsprechenden Perikopen aber genau anschauen. Zunächst finden wir die Szenerie im 2. Buch Samuel um Vers 5:
Sie stellten die Lade Gottes auf einen neuen Wagen und holten sie so vom Haus Abinadabs, das auf einem Hügel stand; Usa und Achjo, die Söhne Abinadabs, lenkten den neuen Wagen [sie holten sie also aus dem Haus Abinadabs, das auf dem Hügel stand,] mit der Lade Gottes und Achjo ging vor der Lade her. David und das ganze Haus Israel tanzten und sangen vor dem Herrn mit ganzer Hingabe und spielten auf Zithern, Harfen und Pauken, mit Rasseln und Zimbeln.
Etwas später heißt es dann an gleicher Stelle:
Als man König David berichtete: Der Herr hat das Haus Obed-Edoms und alles, was ihm gehört, um der Lade Gottes willen gesegnet, da ging David hin und brachte die Lade Gottes voll Freude aus dem Haus Obed-Edoms in die Davidstadt hinauf. Sobald die Träger der Lade des Herrn sechs Schritte gegangen waren, opferte er einen Stier und ein Mastkalb. Und David tanzte mit ganzer Hingabe vor dem Herrn her und trug dabei das leinene Efod.
Deutlich ist hier zu sehen, dass es sich um eine persönliche Gefühlsregung in einem außerordentlichen Moment handelt. Weder haben wir es hier mit einer kultischen Handlung im eigentlichen Sinne zu tun, noch gibt es irgendwelche Berichte, dass Davids Tanz in den altjüdischen Tempelkult aufgenommen worden wäre.

Der liturgische Tanz ist kein Element der christlichen Liturgie. Jeder, der mit der Forderung nach Tanz im Gottesdienst konfrontiert wird, sollte die kirchliche Meinung zu diesem Thema kennen, und sich vor allem den Hintergrund und die Beweggründe der Fordernden genau anschauen. Allzuschnell entlarven sich die Vertreter des liturgischen Tanzes selbst - und oft genug ist der Wunsch nach Tanz der Türöffner für weitere subjektive Wünsche. Die Liturgie ist kein Bausteinkasten, aus dem man nach belieben auswählen kann (auch, wenn leider sogar das Messbuch seit dem Konzil diesen Eindruck an vielen Stellen erweckt).
Laßt das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. - Apostel Paulus, Brief an die Kolosser

Donnerstag, 5. November 2009

Appell an Benedikt XVI.

NEW LITURGICAL MOVEMENT veröffentlicht heute einen Beitrag, in dem ein Appell einiger bekannter Katholiken an den Heiligen Vater um authentisch katholische Kunst und Kirchenmusik. Mitunterzeichner ist unter anderem Martin Mosebach, der Autor des bekannten Buches "Häresie der Formlosigkeit. Die römische Liturgie und ihr Feind".

Das Original findet man HIER AUF EINER EIGENEN SEITE; ich hatte begonnen, einen Teil auf Deutsch zu übersetzen, aber mir fehlt leider die Zeit dazu. Dennoch einen bemerkenswerten Absatz hier in englischer Sprache, den ich gerne unterschreibe:
We cannot now definitely establish musical forms and styles a priori, but the recovery of Gregorian chant, good polyphonic and organ music (even inspired by the Gregorian), – ancient, modern and contemporary – would certainly, after decades of absolute shock and “probability” in music, recall the liturgical "words" that the Catholic tradition in art and music has given us for centuries: they have worked – using a representative expression of Pope Paul VI in the Enc. "Mysterium Fidei" – as real "tiles of the Catholic Faith", which was always founded on sensible data, endowed with truth and beauty; and always devoid of sterile and mannered or archaeological intellectualism, to be avoided with care (as indicated by Pope Pius XII in Enc. “Mediator Dei” that introduced the liturgical reform of the late twentieth century.
Man kann sich diesem Aufruf nur anschließen und dem Heiligen Vater eine gute Hand für die "Reform der Reform", bzw. für die Einleitung einer Rückbesinnung auf die Traditionen der Kirche wünschen!

Mittwoch, 4. November 2009

Kirchliche Dokumente


In eigener Sache

Mit Erstaunen stelle ich immer wieder fest, dass selbst die ältesten und verbreitetsten Dokumente zum Thema "Kirchenmusik" vielen Gläubigen vollkommen unbekannt sind. Ja, sie sitzen immer noch der Mär vom verbotenen Latein, der abgeschafften Gregorianik und der "gruppendynamischen Liturgie" auf.

Ich habe mich daher entschlossen, auch in diesem Blog eine weitere Sammelstelle für Dokumente einzurichten, die dann in einer Linkliste zentral abrufbar sind. Wenn also in den nächsten Wochen immer wieder unkommentiert ältere Dokumente hier wiedergegeben werden, dient das nicht der Beitragsschinderei, sondern einer echten Sorge um die Liturgie, der Aufklärung der Gläubigen und somit der Mithilfe an der Verwirklichung des II. Vaticanums "im Lichte der Tradition", wie es unser Heiliger Vater Benedikt XVI. immer wieder einfordert und selbst vorbildlich umzusetzen versucht.

Je zahlreicher man im Internet auf diese Dokumente stößt, desto eher werden sie vermutlich zur Kenntnis genommen, da die offiziellen Stellen sie immer noch unterschlagen oder durch eigenmächtige Ergänzungen oder "Empfehlungen" konterkarieren.